Sonntag, 17. Februar 2008

Vornamen

Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich seit jeher streiten. Jeder Mensch hat einen anderen, manche haben den Gleichen, manch einer hat gar keinen ... Egal ob in der Mode, der Musik, der Literatur, der Kunst, der Schönheit, der Autos, der Frisuren, der Einrichtung, ....

Wenn man einen Blick in die Welt der heutigen Vornamen wirft, macht sich auch eine Art Geschmacks-Schema bemerkbar ... oder sollte ich sagen, eine Art Mode-Schema. Der Trend, seinem Kind einen Städtenamen zu geben wurde von den Stars und Sternchen in Hollywood begonnen und schwappte teilweise auch nach Deutschland. Als Erzieherin weiß ich wovon ich spreche, da ich in sieben Jahren sozialer Ausbildung und Arbeit im Bereich Kindergarten eine Menge Kinder und deren Namen kennenlernen durfte. So stieß ich schon auf einen 3-jährigen Jungen mit dem Namen Sidney, oder auf ein 4-jähriges Mädchen mit dem Namen Paris. Doch zum Glück hielt sich dieser Trend nicht lange. Kurz darauf folgte die amerikanische Namen-Mode, am besten noch als Doppelname. So traf ich in verschiedenen Kindergärten schon auf Namen wie John-Wesley, Samantha-Jean, Kenneth-Michael ("Kenness-Meikel"), Anastacia ("Änästäischa"), Simon ("Seimän"), und so weiter und so fort. Gerade für die ältere Erziehergeneration stellte dies ein Problem dar. Denn sie waren teilweise der amerikanischen Aussprache nicht mächtig und so hörte man oft ein "Änästeesia", "Simän", oder "Kenned"... Was sich manche Eltern nur denken, wenn sie einen Namen für ihr Kind suchen. Am meisten gerate ich ins Grübeln, wenn die Eltern dann noch einen Nachnamen wie Müller, Meier, Schmidt haben und ihr Kind John-Wesley Schulz heißt. Das merkt man doch eigentlich, dass das schrecklich klingt. Oder? Ich denke noch heute an diesen Tag, der mir vor Lachen Bauchweh bereitete, als ich im Kindergarten den Jungen Sidney Schmidt traf ...
Kommen wir nun zu der Kategorie "Modenamen". Man mag es kaum glauben, aber auch im Bereich Namen gibt es eine Mode. Dies macht sich gerade heute am deutlichsten in den Kindergärten bemerkbar. Fakt ist, dass es in jeder Kindergartengruppe mindestens ein Kevin, ein Justin, ein Dustin, ein Paul, ein Max und ein Tim (oder Tom) gibt. Auch Felix, Lukas, Leon, Marvin und Jonas zählen zu den meist gewählten Namen. Ich verstehe nicht, warum Mütter ihrem Kind einen Namen geben, den auf der Entbindungsstation des Krankenhauses jedes zweite Kind trägt.
Auch die Mädchen sind nicht verschont. So gibt es auch in jeder Kindergartengruppe mindestens eine Celine, Celina, Seline, Selina, Michelle, Emily, Leonie, Marie, Sophie oder Luisa.
Normalerweise ist die Wahl des Vornamens doch ein wichtiger Akt. Es ist der Name, den dieser Mensch sein Leben lang mit sich trägt. Dieser Name bestimmt teilweise sogar die Persönlichkeit des Kindes. Er sollte demnach gut ausgewählt sein und auch irgendwie zum Nachnamen, zum Geschlecht und zum Land passen. Ein deutsches Kind mit dem Namen Yussuf ist mir zumindest glücklicherweise noch nicht begegnet. Ich kenne Mütter, die Wochen damit verbrachten, einen Namen für ihr Kind zu finden. Und ich kenne Mütter, denen ein kurzer Blick auf die Beliebtestenliste reichte um einen Namen zu finden.
Was auch die neueste Mode darstellt, sind Doppelnamen. Egal welche Länge. Ob zwei Namen, drei, vier oder fünf, mit oder ohne Bindestrich ... mehrere Namen sind irgendwie kult. In meinen Augen ist das Quatsch. Es mag interessant aussehen und soll vielleicht teilweise irgendwas kompensieren, aber für das Kind ist es doch ein Graus. Lehrer verlangen, bei Leistungskontrollen, keine Spitznamen zu verwenden sondern den kompletten Namen auszuschreiben. Kinder mit den Namen Luisa-Sophie-Hannah-Magdalena-Leonie-Mathilde Grübler sind doch alleine eine halbe Stunde mit dem korrekten Schreiben ihres Namens beschäftigt. Außerdem scheint es mir dann so, als ob die Eltern des Kindes sehr unentschlossen sind, sich nicht entscheiden können. Das merkt man dann eben auch am Namen.
Zwillinge. Zwillingskinder zu benamen ist auch so eine Sache. Es gibt Eltern, denen es egal ist, ob ihre Kinder nun eineiige oder zweieiige Zwillinge sind, sie geben einfach zwei Namen, zum Beispiel Tom und Felix, oder Marie und Johanna. Doch gibt es auch Eltern, die sich Märchenhelden zum Vorbild nehmen oder die Namen in verbalen Einklang bringen. So wohnen in meinem Ort die Zwillinge Max und Moritz. Auch Tim und Tom hörte ich schon. Ebenso Marie und Sophie oder Johanna und Hannah.
Der allerneueste Schrei allerdings sind alte Namen. So gibt es immer häufiger die Namen Franz, Mathilde, Kalle, Klaus, Elli, ... und am "schönsten" klingen solch alte Namen in Verbindung mit einem modernen Namen. Erst neulich stand in unserer Tageszeitung bei den Geburtsanzeigen der Name Vincent Hans-Jürgen.
Und dann gibt es auch die Kategorie Ausgefallene Namen. Eltern, die ihrem Kind keinen normalen Namen geben wollen, sondern einen ganz besonderen. Die schlimmsten Ideen, die ich bisher zu hören bekam, waren Moglie, Tarzan, Maurizius, Hyazinth und Susette.

Wie bereits geschrieben sind Geschmäcker verschieden und jede Mutter und jeder Vater soll seinem Kind den Namen geben, den sie wollen und schön finden. Jedoch sollten manche Eltern gerade die Auswahl des Namens mit mehr Verstand begehen. Es mag ja süß und niedlich sein, wenn das Baby einen verrückten Namen hat. Doch es bleibt ja nicht ein Baby, aus diesem Baby wird ein Mann, eine Frau, vielleicht ein Verkäufer oder eine Börsenmarklerin, ein Ingeneur oder eine Stewardess ... kurz, dieser Name begleitet ein Leben lang!

Und ich zumindest würde schon seltsam schauen, wenn ich in einem Cafe´ sitze und auf der Rechnung steht: Vielen Dank für Ihren Besuch! Es bediente Sie Tarzan! ...

1 Kommentare:

Am/um 3. März 2008 um 23:59 , Blogger xmyrxn meinte...

... vor allem, wenn Tarzan nicht groß und stark ist, sondern eher so ausschaut wie ich *g*

 

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